Spektakuläre Entdeckung: Am Grund des Toten Meeres haben Forschende einen völlig neuen Typ unterseeischer Schlote entdeckt. Sie können pro Tag um mehrere Zentimeter wachsen und bestehen komplett aus weißlichen Salzkristallen. Das Überraschende jedoch: Das Salz stammt nicht aus dem Wasser des Toten Meeres, sondern aus tiefen, tausende Jahre alten Salzschichten im Untergrund. Das Grundwasser löst diese Salze auf und tritt dann am Grund des Sees aus. Das erklärt auch ein weiteres geologisches Phänomen am Toten Meer.
Das Tote Meer ist der am tiefsten liegende Ort der Erde – sein Wasserspiegel liegt 437 Meter unter dem Meeresspiegel. Gleichzeitig ist dieser See eines der salzigsten Gewässer der Erde: Das Wasser im Toten Meer hat einen zehnmal höheren Salzgehalt als das Mittelmeer. Weil die Verdunstung höher ist als der Wassernachschub, sinkt der Wasserspiegel des Toten Meeres zudem seit Jahrzehnten immer weiter ab – im Schnitt um einen Meter pro Jahr. Das hat Folgen: Rund um den See sind tausende mehrere Dutzende Meter große und tiefe Einsturzlöcher entstanden, weil der Untergrund instabil wird

Schlanke Schlote komplett aus Salz
Ein ganz neues Phänomen hat nun ein Team um den Hydrogeologen Christian Siebert vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) entdeckt. Bei Tauchgängen im Toten Meer stießen sie am Seegrund auf weißliche, schlotförmige Kamine, die eine schimmernde Flüssigkeit ausstoßen. Viele dieser schlanken Schlote waren ein bis zwei Meter hoch, einige erreichten aber auch sieben Meter Höhe und en Dicke von mehr als zwei bis drei Metern. „Die Ähnlichkeit zu den Schwarzen Rauchern in der Tiefsee ist frappierend, aber es handelt sich um ein gänzlich anderes System“, berichtet Siebert.
Der erste Unterschied: Die weißen Schlote des Toten Meeres bestehen komplett aus Halit – kristallinem Kochsalz. An der Spitze der schornsteinähnlichen Formationen bildet dieses Salz feine, verzweigte Kristallnadeln. „Diese wandeln sich im Laufe der Zeit durch Rekristallisation in würfelförmige Kristalle von mehreren Zentimeter Größe um“, erklären die Forschenden. Diese kubischen Salzkristalle bilden dann die feste Basis und das Innere der Schlote.